Noroviren im Trinkwasser

Autor:

Wilfried SoddemannKrankschreibung bei Durchfall und Norovirus
Freier Wissenschaftsjournalist und Epidemiologe
Bauassessor Dipl.-Ing. 
und Ltd. Regierungsbaudirektor a. D.

Interdisziplinäre Gesellschaft für Umweltmedizin IGUMED e.V.
Whistleblower-Netzwerk e.V.


Juni 2013,

Noroviren im Trinkwasser

Wasser als Krankheitsüberträger im 21.Jahrhundert

Nachweislich verseuchen Noroviren und andere Krankheitserreger über kontaminierte Fäkalien insbesondere auch das Trinkwasser. Neueste Technologien der Ultrafiltration bieten uns die Möglichkeiten, wirksam gegen Viren aus der Umwelt in unserem Trinkwasser vorzugehen.

Aber bei nur 2 % des Trinkwassers in Deutschland – 100 Mio. Kubikmeter von 5.100 Mio. Kubikmetern – werden diese Technologien zur Reinigung unseres Wassers eingesetzt. Dies obwohl die Ultrafiltration nur 5 Euro je Person und Jahr kostet.

Die Realität ist – 98 % veraltete Wasserwerke, unwirksame Filtersysteme und steigende Zahlen der Infektionskrankheiten durch Erreger wie Norovirus, Rotavirus und Coli Bakterien, EHEC und Legionellen als weitere prominente Beispiele. Die meisten nach dem deutschen Infektionsschutzgesetz meldepflichtigen Infektionen sind wasserassoziiert.

Fakten zum deutschen Trinkwasser:

  • Mikrobiologische Trinkwasserüberwachung in Deutschland weder unabhängig noch effizient!
  • Das System der Trinkwasserüberwachung in Deutschland wird als problematisch beurteilt, da Trinkwasseruntersuchungen nahezu ausschließlich von den Wasserversorgungsunternehmen selbst oder in deren Auftrag durchgeführt werden
  • Deutsche Wasserversorgungsunternehmen sind meist öffentlich-rechtliche kommunale Betriebe, Zweckverbände oder privat-rechtliche Gesellschaften mit kommunaler Beteiligung.
  • Für die gesetzliche Trinkwasserüberwachung sind – ebenfalls auf kommunaler Ebene – die Gesundheitsämter der Landkreise und kreisfreien Städte zuständig
  • Gechlortes Trinkwasser wird oft erst nach der Chlorung auf die Indikatorbakterien der Trinkwasserverordnung untersucht, so dass positive bakteriologische Befunde selten sein müssen
  • Negative bakteriologische Befunde sind keine Nachweise der Freiheit von Viren
  • Untersuchungen auf Viren im Trinkwasser finden in Deutschland so gut wie nicht statt, obwohl aus einer Vielzahl von Untersuchungen bekannt ist, dass Viren im Trinkwasser enthalten und Auslöser von Epidemien sein können
  • Norovirus- und Rotavirus-Infektionen sind die von den Gesundheitsämtern dem Robert Koch-Institut Berlin am häufigsten gemeldeten Virusinfektionen in Deutschland

Grundmaßnahmen zur Sicherung des Trinkwassers:

  • Auf die Indikatorbakterien der Trinkwasserverordnung ist stets vor der Chlorung zu untersuchen.
  • Trinkwasser ist systematisch auch auf Noro- und Rotaviren zu untersuchen.

Chemische Trinkwasserbelastungen werden öffentlich diskutiert: 

Nitrat, Pestizide, Blei, Arsen, PFT, Tosu, Arzneimittelrückstände, Röntgenkontrastmittel, sonstige Schadstoffe: 20 Millionen, von denen „nur“ 5.000 umweltrelevant sein sollen.
Schadstoffe gehören nicht in die Umwelt und die Gewässer!
Realität ist jedoch:

Schadstoffe in Umwelt und Gewässern können nicht gänzlich vermieden werden, selbst wenn alle Kläranlagen optimal nachgerüstet würden:

  • Was ist mit den Schadstoffen aus den vielen ungeklärten Abwassereinleitungen der Misch- bzw. Regenwasserkanalisation?
  • Was ist mit den Sedimenten in den Oberflächengewässern, in den Bächen, Flüssen, Stauseen, Talsperren, aus denen noch über Jahrzehnte Schadstoffe – wie an der Ruhr PFT – ausbluten werden?
  • Was ist mit den Medikamenten von Menschen und Nutztieren, die entweder in den Kläranlagen nicht zurückgehalten werden oder unmittelbar in die Gewässer gelangen?
  • Was ist mit den staatlichen Grenzwerten für Ab- und Trinkwasser, die den Giftcocktail im Wasser auf Dauer festschreiben?

Auch radioaktives Tritium wird in unseren Gewässern gefunden. Insbesondere Druckwasserreaktoren leiten mit dem Abwasser große Mengen an Tritium in die Gewässer ein.

Wir brauchen beides:

  • rigorosen Gewässerschutz
  • nachhaltige Trinkwasseraufbereitung durch Ultrafiltration und ggf. Aktivkohlefilter

Trinkwasserbedingte Infektionskrankheiten sind nicht im öffentlichen Fokus:

  • Desinfektion des Trinkwassers
  • Impfung
  • Antibiotika bei Bakterienaber:
  • Antibiotikaresistenzen
  • Antibiotika bei Viren nicht wirksam

Noroviren und weitere Krankheitserreger im Trinkwasser
– Epidemiologische Analyse –
Noroviren verursachen heftigen Brechdurchfall.
Ausscheider von humanpathogenen Noroviren in die Umwelt und die Gewässer sind infizierte
– Menschen
– Nutztiere
– wildlebende Tiere.

Kläranlagen können Viren nicht zurückhalten. Bei ergiebigen Regenereignissen gelangt sogar unbehandeltes Abwasser in die Gewässer. Abwasser gelangt über undichte Kanäle in das Grundwasser.

Trivial ist, dass die Ausscheidungen von Tieren in die Umwelt und die Gewässer gelangen. Publizierte Untersuchungen der letzten Jahre zeigen, dass Norovirusinfektionen zoonotisch von Tier zu Mensch übertragen werden können.

Infektionen durch Trinkwasser können bewiesen werden entweder:

  • direkt durch labordiagnostische Nachweise in humanen Proben und im Trinkwasser (tatsächlicher Nachweis)
    oder
  • indirekt durch epidemiologische Verfahren, die Zusammenhänge zwischen den Infektionen und dem Trinkwasser beschreiben („Indizien-Beweis“)

John Snow 1848 London Cholera

Trinkwasserbedingte Endemien können mit Fall-Kontroll-Studien kaum erkannt werden, da alle Infizierten Kontakt mit Trinkwasser hatten.

Nach der Methode von John Snow müssen die Infektionsfälle in Karten dargestellt werden, damit Cluster in Trinkwasserversorgungsgebieten, die bestimmten Wassergewinnungsanlagen zugeordnet sind, erkannt werden können.
Eine große Zahl von Fachpublikationen berichtet über den Nachweis von Viren, auch von Noroviren, in Oberflächengewässern, im Grundwasser und im Trinkwasser.

Regelmäßig gelingt der Virusnachweis bei Untersuchungsreihen mit wiederholten Probenahmen. Mikrobiologische Untersuchungen von Umweltproben ergeben stets Momentaufnahmen, die vom aktuellen Input an Krankheitserregern durch infizierte Ausscheider abhängen.

Für den molekularbiologischen Nachweis von Viren müssen in 1 Liter Wasser mindestens etwa 10 Viruspartikel enthalten sein.

Mit molekularbiologischen Analysen können vorhandene Viren nachgewiesen werden, nicht jedoch deren Virulenz. Die Befunde müssen deshalb im Zusammenhang mit epidemiologischen Daten und weiteren Randbedingungen (Viruseintrag, Klima, Gewässertrübung, Betriebszustände bei der Trinkwasseraufbereitung) ausgewertet werden.

Zu Noroviren wird in der Literatur die Infektionsdosis beim Menschen mit 1 bis 100 Viruspartikeln angegeben.

Trinkwasser in Deutschland

Trinkwasser wird in Deutschland nur selten aus durch Deckschichten gut geschützten und tiefen, gut filtrierenden Lockergesteinsgrundwasserleitern mit „altem“ Grundwasser und konstanter Temperatur gewonnen.

Behauptungen der Deutschen Bundesregierung, des Umweltbundesamtes, der Trinkwasserkommission, 70% des Trinkwassers in Deutschland entstammen derartigen weitgehend unbelasteten  Grundwasservorkommen, ist definitiv falsch.

• In weiten Teilen Deutschlands wird Grundwasser aus nicht filternden Kluft- und Karstgrundwasserleitern gewonnen.
• In weiten Teilen Deutschlands kann aus den Grundwassergeringleitern kein Grundwasser gewonnen werden.
• In weiten Teilen Deutschlands ist die Grundwasserneubildung so gering, dass kein echtes Grundwasser gewonnen werden kann.

Trinkwasseraufbereitung in Deutschland : Vireneliminationsleistung

–   Oberflächenwasser : 
Flockung und Filtration 10.000-fach geringer als die WHO Trinkwasserrichtlinie 2004 fordert .

–   Grundwasser : 

Belüftung zur Enteisenung und Entmanganung mit Schnellfiltration 10.000-fach geringer als die USEPA Ground Water Rule fordert.
Herkömmliche Desinfektionsverfahren müssen ineffizient sein, weil die Viruspartikel im Rohwasser nicht in Suspension, sondern verklumpt vorkommen.

Norovirus Entwicklung Deutschland

►Wasser und Boden speichern die


–  Wärme des Sommers [16°C – 18°C Ende August].


–  Kälte des Winters [3°C – 5°C Februar/März].


► Kälte konserviert ansteckende Viren.

Norovirus Verhalten im Wasser

Noroviren besitzen eine hohe Umweltstabilität. In kaltem Wasser bleiben Noroviren länger ansteckend als in warmem Wasser:
Abbauraten entnommen aus: Quelle Appl Environ Microbiol. 2008 Jan;74(2):477-84. Epub 2007 Dec 7. Evaluation of murine norovirus, feline calicivirus, poliovirus, and MS2 as surrogates for human norovirus in a model of viral persistence in surface water and groundwater. Bae JSchwab KJ. Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, Department of Environmental Health Sciences, 615 N. Wolfe St., Room E6620, Baltimore, MD 21205-2103, USA.

Norovirus Abbaurate im Trinkwasser

Die Wellen der Norovirusinfektionen verlaufen parallel zum Verlauf der Trinkwassertemperaturen. Sie beginnen und enden stets bei Trinkwassertemperaturen von 15°C:

Norovirus Infektionen Verlauf im Wasser

Norovirus Beitrag erstellt am 09.06.2013
Autor, Wilfried Soddemann | Inhalte , Text und Bildmotive freigegeben durch den Autor.

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